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VMware Server 2.0 - der kleine ESX.
VMware Server 2.0 verliert seine Ähnlichkeit mit VMware Workstation und nähert sich mehr dem ESX Server an. Schade für Anwender, die ihn bisher als kostenlose Alternative zur Workstation verwendet haben. Schön für Anwender, die in kleinen Umgebungen Server virtualisieren wollen.

Das Final Release von VMware Server 2.0 ist erschienen und steht gegen Registrierung hier zum Download bereit: --> VMware Server 2.0

ACHTUNG! Dieser Artikel bezieht sich noch auf die Beta-Version! Überarbeitung in den nächsten Tagen. Unter anderem gibt es nun doch keine Integration ins Virtual Center, das bleibt dem ESX / ESXi vorbehalten (allerdings leider nicht in der kostenlosen Variante des ESXi).

Was bietet die neue Server-Version?

Eins gleich vorweg - Anwender, die VMware Server bisher als kostenlose Alternative zur VMware Workstation gesehen haben, etwa um Testumgebungen aufzubauen oder Probier-VMs auf dem Laptop oder PC zu betreiben, werden wahrscheinlich enttäuscht sein. Es heißt Abschied nehmen von der gewohnten, sehr gelungenen Oberfläche der Server Console, die bisher stark der Workstation ähnelte. Die Console wird jetzt durch ein Web-Interface oder durch den Virtual Infrastructure Client 2.5 ersetzt.

Wer dagegen VMware Server wirklich als Server verwendet, entweder als Einstiegslösung oder als preiswerte Ergänzung zum ESX Server (z.B. auf nicht ESX-kompatibler Hardware), darf sich freuen - nicht zuletzt über die mögliche Anbindung externen NAS-, bzw. CIFS-Speichers. Das Aussehen und die Logik des kostenlosen Servers sind an den ESX angelehnt, beispielsweise die Handhabung des Netzwerkes und die Speicheranbindung.

Um es auf den Punkt zu bringen: VMware Server 2.0 präsentiert sich eher als eine Art Hosted-Version des ESX Servers. Er eignet sich nur noch bedingt als Desktopprodukt.

Ich will hier keine detaillierte Funktionsbeschreibung liefern, sondern einen ersten Überblick geben und auf einige sehr wichtige Details hinweisen, die sich nicht gleich intuitiv erschließen. Wo ist z.B. das Custom-Netz plötzlich abgeblieben? Was kann man außer dem Web-Interface zum Bedienen verwenden? Eine komplette, jeweils aktuelle Liste mit Fehlern und Funktionen finden Sie in den Releasenotes zum Server: --> VMware Server Releasenotes

Hervorzuheben sind folgende Neuerungen, bzw. weiterhin fehlende Funktionen:
  • Bis zu 8 GB RAM pro VM, bisher waren nur 3,6 GB möglich. Hierbei ist zu beachten, dass mehr als 4 GB RAM am Host nur mit PAE oder mit einem 64 Bit Host-OS adressiert werden können.

  • Offizielle Unterstützung von 64-Bit Gästen. Vorrausetzung ist eine CPU mit Intel-VT (im Bios oftmals disabled!) oder eine AMD-CPU ab Rev. D.

  • Unterstützung von USB 2.0 in den Gästen.

  • Bis zu zehn virtuelle Netzwerkkarten pro Gast. Leicht veränderte Netzwerkkonfiguration.

  • Weitere unterstützte Gast-OS, z.B. Vista (offiziell aber kein Vista als Host).

  • Anbindung von Netzwerk-Freigaben (CIFS, NFS) als externen Speicher.

  • Der Server 2.0 läuft jetzt auch nativ als 64-Bit Anwendung unter 64-Bit Linux. Bisher benötigte er 32-Bit Kompatibilität.

  • Unterstützung von Microsofts Volume Shadow Copy Service (VSS).

  • Völlig neue Oberfläche, die alte Remote Console funktioniert nicht mehr. Die Bedienung erfolgt über ein Web-Interface oder mit dem Virtual Infrastructure Client 2.5.

  • Weiterhin nur ein Snapshot, keine Teams, keine linked Clones.

  • Am Rande: (bisher) keine Unterstützung von VMware ESX in einer VM. Die Parameter aus dem Workshop --> ESX unter WS6 wirken in der aktuellen Version von VMware Server 2.0 nicht.

Selbstversuch macht schlau - Installation und erste Schritte im Web-Interface

Die Installation des Servers ist wie immer unkompliziert. Eventuell bleiben Meldungsfenster zur Treibersignierung (USB und Netzwerk) hinter dem Installationsfenster verdeckt und die Installation hängt scheinbar. Hier hilft das Verschieben des Fensters, um die Fragen beantworten zu können.

Die erste schwerwiegende Frage taucht allerdings gleich im Anschluss an die Installation auf - wo ist die Console? Weg! Stattdessen können Sie in einem Webbrowser mit der Adresse http://mein_host:8222, oder https://mein_host:8333 das neue Web-Inerface des Servers starten. Das wird die erste und auch die größte Enttäuschung für erfahrene Anwender sein. Das Web-Interface ist in keiner Weise ebenbürtig mit der bisherigen, zügig und komfortabel zu bedienenden Console. Von Vorteil ist einzig und allein die Plattformunabhängigkeit und dass die Installation eines separaten Clients entfällt.

Der neuen Oberfläche fehlen beispielsweise Komfort-Funktionen wie "Fit Guest", womit man bisher das Fenster des Gastes frei in der Größe ändern konnte, wobei der Gast automatisch die Auflösung skalierte. Im neuen Web Interface verharrt der Gast-Bildschirm statisch in seiner Auflösung und zeigt Scrollbalken oder schwarze Ränder. Auch beim Wechsel in den Vollbildmodus skaliert der Gast nicht. Nur im Gast selbst kann die Auflösung geändert werden.

Insgesamt wirkt die Bedienung des Web Interfaces etwas zäh. Erst der Virtual Infrastructure Client bringt hier Besserung, dazu später mehr.

Platz für die VMs - der Datastore, lokal oder zentral

Die meisten Funktionen des Web-Interfaces erschließen sich von selbst. Etwas einarbeiten muss man sich dagegen erst in die Logik der Datastores - ESX Nutzern ist die Thematik bereits vertraut. Ein Datastore ist der Speicherplatz auf dem die VMs liegen. VMware Server unterstützt lokale Platten und als Neuheit auch LAN-Freigaben im Netzwerk. Bei der Installation des Servers wird der erste Datastore als Ordner "virtual machines" auf der lokalen Platte bereits angelegt. Der Name dieses Datastores lautet "Standard".

In der Liste "Datastores" im mittleren Teil vom Web Interface erscheinen alle definierten Speicherplätze. Sämtliche Aktionen mit VMs, z.B. Erstellen einer neuen VM oder Aufnehmen ins Inventory, spielen sich auf diesen definierten Datastores ab. Ein beliebiges Browsen durchs gesamte Dateisystem, etwa beim Anlegen einer neuen VM, ist nicht mehr möglich. Es sein denn Sie legen einen Datastore auf die Wurzel einer Festplatte.

Mittels "Add Datastore" auf der rechten Seite der Web Console können weitere Speicherplätze für die VMs angelegt werden. Das kann ein weiteres lokales Verzeichnis sein, etwa auf einer anderen Festplatte, oder auch die Netzwerkfreigabe eines Windows-Servers oder einer NAS-Appliance. Unterstützt wird auf Windows-Hosts CIFS, damit funktionieren z.B. normale Windows-Freigaben, und unter Linux NFS.

Diese Anbindung von LAN-Freigaben ist eine sehr nützliche Neuerung für den Serverbetrieb. Damit können mehrere VMware Server gemeinsam auf zentralen Speicher zugreifen. Dadurch wird z.B. das Herunterfahren einer VM auf dem einen Host und ein sofortiger Neustart auf einem anderen Host möglich. Mittels Suspend/Resume ergibt das sogar eine Art "VMotion Lite", vorausgesetzt die Server haben die gleiche Hardware.

Die Performance von VMs auf Netzwerkfreigaben wird allerdings häufig nicht an iSCSI- oder gar Fibrechannel-SANs heranreichen, kann für kleine Umgebungen aber genügen.

Netzwerkkonfiguration - gut verteilt auf mehrere Stellen

Die Netzwerkkonfiguration von VMware Server 2 hat sich ebenfalls verändert. So fehlen in der Auswahl des virtuellen Adapters einer VM die bisher gewohnten Custom-Netze (VMnet2, 3, 4 usw.) zur Erstellung interner Testnetze. Nur NAT, Bridged und HostOnly stehen vorerst zur Verfügung.

Die Netzwerkkonfiguration des Hosts, die bisher ebenfalls über die Remote-Console des Servers unter "Host / Networksettings" zu erreichen war, findet sich jetzt nur noch als separater Menüpunkt im Startmenü am Host unter "VMware / VMware Server / Manage Virtual Networks". Die Netzwerkverwaltung mit diesem sogenannte Virtual Network Editor hat sich grundsätzlich nicht verändert. Im Web Interface ist allerdings keinerlei Konfiguration der Netzwerke VMnet0-9 möglich.

Hinweis: Unter Linux bleibt es bei der vmware-config.pl.

Nur im Virtual Network Editor können physische Netzwerkkarten an VMnets gebunden werden, um mehrere Bridged-Netze zu erstellen, oder es lassen sich weitere HostOnly-Netzwerke mit virtuellen Host-Adaptern auf dem Host erstellen (zusätzlich zu VMnet1 und 8).

Achtung! Nach Änderungen im Network Editor ist im Web-Interface "Refresh Network List" anzuklicken, erst danach erscheinen die Netzwerke in der Liste im Web-Interface.

Die Option völlig abgeschotteter Custom-Netzwerke fehlt auch im Handbuch (--> Handbuch VMware Server 2). Dort wird das Vorgehen mit mehreren HostOnly-Netzwerken und damit verbundenen zusätzlichen HostOnly-Adaptern beschrieben. Allerdings ist es für wirklich isolierte virtuelle Netzwerke nicht wünschenswert, einen Host-Adapter (wie VMnet1 und 8) zu erstellen, über den das isolierte Testnetz mit dem Host verbunden ist. Bei Unachtsamkeiten können so Pakete über den Host ins physische LAN gelangen.

Wollen Sie Ihren VMs ein internes abgeschottetes Netzwerk zuweisen, dann müssen Sie im Virtual Network Editor unter dem Reiter "Host Virtual Network Mappings" einem freien VMnet (z.B. VMnet2) ein Subnet (IP-Bereich) konfigurieren. Das funktioniert mit dem kleinen Pfeil rechts neben jedem VMnet. Danach können Sie im Web-Interface "Refresh Network List" anklicken und dieses Netzwerk in der Liste zu den Netzwerkadaptern einer VM auswählen.

ACHTUNG! Bug oder Feature? Das beschriebene Vorgehen funktionierte bei mir genau einmal, dann nie wieder. Die Netzwerke erschienen einfach nicht in der Liste im Web-Interface, die Aktualisierung funktionierte nicht mehr. Zuverlässig funktionierte die Konfiguration der Netzwerke bei mir nur im VI Client mittels Portgruppen - siehe weiter unten.

Die Netzwerkverwaltung ist insgesamt etwas zerbröselt. Teile findet man direkt im Web Interface, andere Teile im separaten Programm "Manage Virtual Networks". Und auch der Virtual Infrastructure Client kann einige (aber nicht alle) Einstellungen der Netzwerkkonfiguration bearbeiten. Hier sollte VMware während der Betaphase noch aufräumen.

Virtual Infrastructure Client 2.5 (VI-Client)

Das Web-Interface wird für viele eher eine nette Möglichkeit sein, auf den Host plattformunabhängig zuzugreifen. Es zeigt alle Schwächen solcher Browser-Oberflächen und kann der alten Console des Servers nicht das Wasser reichen.

Zum Glück existiert eine bessere Möglichkeit - der Virtual Infrastructure Client 2.5, kurz VI-Client. Dieser ist (warum auch immer) nur im Linux-Paket enthalten. Das TAR-Archiv kann man herunterladen und entpacken. Im Ordner vmware-server-distrib\lib\hostd\docroot\client des Archivs findet sich eine VMware-viclient.exe. Es existiert nur eine Windows-Version. Von einem Linux-Host lässt sich der VI Client auch direkt über das Web Interface herunterladen und installieren.

Der Client verlangt beim Start einen Host in der Form mein_host:8333 mit Nutzername und Passwort. ESX Nutzer werden sich sofort in der Oberfläche zurechtfinden. Es existiert sogar der "Maintenance Mode", um für Wartungsarbeiten den Start von VMs auf dem laufenden Host zu verhindern.

Auf der linken Seite befindet sich das Inventory mit dem Host und den VMs. Je nach ausgewähltem Eintrag erscheinen rechts unterschiedliche Reiter, entweder für den Host oder für jede einzelne VM. Der Sinn der einzelnen Reiter erschließt sich von selbst.

Erwähnenswert ist die Sicht auf die Leistungsdaten des Hosts oder einzelner VMs unter "Performance". Weiterhin findet man für den Host unter dem Reiter "Configuration" wichtige Einstellungen, die hier teilweise komfortabler als im Web-Interface erfolgen.

Netzwerk und Storage im VI Client

Im Menü "Configuration / Storage" lassen sich neue Datastores anlegen. Mit einem Rechtsklick auf einen vorhandenen Datastore und "Browse Datastore" lässt sich der Inhalt anzeigen. Dabei kann mit rechter Maustaste auf eine *.VMX Datei diese VM ins Inventory aufgenommen werden. Eine andere Möglichkeit vorhandene VMs aufzunehmen existiert im VI Client nicht.

Unter dem Menü " Configuration / Networking" können Sie einem vorhandenen VMnet eine so genannte Portgruppe hinzufügen und dieser einen sinnvollen Namen geben. Dieser Name erscheint dann in der Liste der wählbaren Netzwerke, ohne dass Sie erst im separaten "Virtual Network Editor" ein HostOnly-Netzwerk definieren müssen. Damit entsteht ein isoliertes Testnetzwerk, etwa VMnet2. Pro virtuellem Switch (VMnet) kann, im Gegensatz zum ESX Server, nur eine Portgruppe angelegt werden.

Sobald einem VMnet (virtueller Switch) eine physische Netzkarte oder ein Host-Adapter zugewiesen sind, ist dieses virtuelle Netzwerk dann wieder mit dem Host oder dem LAN verbunden. Die Zuordnung physischer Netzwerkadapter zu den virtuellen Netzwerken (Bridging) kann der VI Client allerdings nicht leisten, das erfolgt ausschließlich im separaten "Virtual Network Editor", kann also nur am Host erledigt werden. Hier wäre etwas Nacharbeit an der Funktionalität des VI Clients notwendig.

ACHTUNG! Nur mit einer zugewiesenen Portgruppe tauchten bei meinen ersten Tests die Netzwerke dann auch im Web-Interface auf. Laut Handbuch sollte das eigentlich auch ohne funktionieren, ich habe mich aber nicht lange mit der Fehlersuche aufgehalten.

Etwas umständlich (und das stört mich auch beim ESX schon lange) ist im VI Client das Umhängen oder Abklemmen der virtuellen Netzwerkadapter im Testbetrieb. Jedes mal ist erst im Reiter "Summary" (oder mittels rechter Maustaste auf die VM im Inventory) der Punkt "Edit" zu wählen, zur virtuellen Netzkarte zu wechseln und dort die Einstellung zu ändern. Das war in der alten Console des Servers mit einem Klick auf das Netzkartensymbol unten rechts ruckzuck erledigt, wie gesagt - störend vor allem bei Testumgebungen.

Gast-Bildschirm im VI Client

Der Bildschirm der Gäste skaliert auch im VI-Client nicht, Scrollen oder schwarzer Rand ist angesagt. Zur Not lässt sich für jeden Gast ein separates Consolenfenster öffnen, wo sich dann im Menü "View" wenigstens "Fit Guest Now" findet. Eine vollautomatische Skalierung erfolgt allerdings nie, auch nicht beim Umschalten in den Vollbildmodus.

Tipp: Die Fenstergröße der für den Gast gestarteten separaten Console lässt sich nur ändern, wenn der Haken bei "View / Autofit Window" entfernt wird.

Es gibt noch einige neue Funktionen und auch einiges, was in der Beta nicht so richtig Funktioniert, ohne dass ich hier im Detail darauf eingehe. Mithilfe dieses Schnellstarts sollte Ihnen der Weg zu eigenen Erfahrungen mit dem neuen Server offenstehen. Nach Erscheinen der Final Version (Termin unbekannt) werde ich eine ausführlichere Anleitung liefern.

Fazit:

VMware beschreitet in der weiteren Entwicklung des kostenlosen Servers einen konsequenten Weg. VMware Server 2.0 ähnelt mehr dem großen Vorbild ESX Server. Die bisherige Ähnlichkeit mit VMware Workstation ist allerdings Geschichte.

Ob VMware mit der neuen Version bei der großen Fan-Gemeinde des kostenlosen Servers gut ankommt bleibt allerdings abzuwarten. Es entsteht eine Lücke zwischen dem kostenlosen Player mit stark eingeschränkter Funktionalität und der VMware Workstation mit hohem Preis und einem Overkill an Funktionen. VMware Server füllte diese Lücke bisher sehr gut aus und wurde von vielen Nutzern als kostenlose Alternative zur VMware Workstation betrachtet, sozusagen als "Einstiegsdroge". VMware Server lief schätzungsweise häufiger auf Laptops und Client-PCs, als auf Servern im Rechenzentrum.

Die Konkurrenz wird mit einfach zu handhabenden Einsteigerprodukten, etwa MS Virtual PC, Innotec Virtual Box oder Parallels Workstation, nur zu gerne in diese Lücke drängen. Die Zukunft wird zeigen, ob VMware dadurch Neueinsteiger (und damit spätere potentielle Aufsteiger zum ESX) in diesem Segment verliert.

Sehr günstige Bundle-Angebote aus drei ESX Servern inkl. Virtual Center (siehe unten), bzw. der kostenlose ESXi, lassen zusätzlich die Frage entstehen, wer VMware Server eigentlich noch produktiv zur Virtualisierung einsetzen wird und ob die Entwicklung eines "kleinen hosted ESX" überhaupt sinnvoll ist.

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